Die Zahlen sprechen eine mehr als deutliche Sprache: Die Quote der Arbeitslosen liegt im Landesschnitt bei 12 Prozent, wobei lokal und regional teilweise drei Mal so hohe Quoten vorherrrschen, das BIP pro Kopf ist niedriger als in allen anderen Ländern der EU. Das kleine osteuropäische Land Bulgarien steht mehr als zwanzig Jahre nach seiner Unabhängigkeit von der UDSSR vor einem Scherbenhaufen. Wir berichten in diesem Artikel über die Zustände, die derzeit im Land herrschen, und diskutieren dabei auch die Ursachen und die Folgen dieses Zustandes.

Die Umstände haben dabei zu einem starken Rückgang der Bevölkerung in Bulgarien geführt. Vor allem gut ausgebildete Facharbeiter verlassen das Land seit einigen Jahren in Scharen. Hatte die Bevölkerung zur Jahrtausendwende noch mehr als neun Millionen gezählt, so ist dieser Wert nun auf rund sieben Millionen Menschen gesunken. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass dieser Wert sich bis ins Jahr 2050 noch weiter reduziert und dann bei etwa 5,2 Millionen Menschen liegen wird. Die Folgen dieser Entwicklung wären verheerend. Schon jetzt ist das Land im weltweiten Vergleich das mit der höchsten Abwanderung.

Vor allem die besseren Erwerbschancen locken dabei viele Bulgaren ins Ausland. So verdienen Facharbeiter in anderen Ländern einfach deutlich mehr für ihre Arbeit und können sich dadurch einen höheren Lebensstandard leisten. Allein in Deutschland leben nach aktuellem Stand rund 260.000 Bulgaren und profitieren von den extrem hohen Löhnen des Landes. Viele Bulgaren sehen jedoch mittlerweile auch im eigenen Land wieder Chancen und beginnen damit, zurückzukehren. So haben sie verstanden, dass durch den Wegzug vieler gut ausgebildeter Arbeitskräfte viele hochdotierte Stellen im Land nun unbesetzt sind. Dadurch ergeben sich für gut assgebildete Experte leichte Chancen, sehr schnell in der Hierarchie aufzusteigen und lokale Spitzenpositionen zu besetzen. Es bleibt dabei abzuwarten, ob der Trend anhält oder die Politik wirksame Reformen ausarbeiten kann. Für die Zukunft Bulgariens wäre dies sehr zu hoffen.